Closeup: Eine Frau skizziert Peerdom. Ihre Skizze wird von einer iPhone-Attrappe umrahmt.

Peerdom: Ein Abenteuer in Organisationsdesign

21.11.19

Während unserer Transformation zur Selbstorganisation suchten wir eine einfache digitale Lösung, die unsere Organisationsstruktur und deren Veränderungen abbilden konnte. So schufen wir Peerdom, eine Software zur Visualisierung von Organisationsstrukturen. Seitdem hat sich Peerdom zu einem eigenständigen Produkt entwickelt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im April 2017 sind wir von einer flachen Hierarchie zur expliziten Selbstorganisation übergegangen.
  • Um uns dabei zu unterstützten, haben wir Peerdom entwickelt, eine Software zur Visualisierung von Organisationsstrukturen.
  • Dabei meisterten wir den ganzen Prozess von Ideenentwicklung bis hin zum marktfertigen Produkt und konnten unsere Erfahrung in allen Schritten der Entwicklung eines digitalen Produktes unter Beweis stellen.

Der Weg zur Selbstorganisation

Vor zweieinhalb Jahren starteten wir unsere Transformation zu einer selbstorganisierten, rollenbasierten Organisation. Rollenbasiert heisst, dass in unserem System ein*e Software-Entwickler*in zum Beispiel auch im Bereich Kommunikation oder bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden mitwirken kann. Diese Flexibilität, Rollen anzunehmen (und auch wieder abzulegen), bedeutet, dass sich unsere Organisationsstruktur immer wieder ändert. Um Stabilität und reibungslose Zusammenarbeit zu gewährleisten, benötigen wir ein einfaches digitales Tool, das einen Überblick über die verschiedenen Rollen, ihre Aufgaben und deren Inhaber*innen gibt.

Links sind ist die Beschreibung der Rolle "Marketing" und deren Aufgaben zu sehen. Zur Rechten sind die Kreise und die darin enthaltenen Rollen.
Ein Kreis mit seinen Rollen und den Aufgaben, welche eine Rolle innehat.

Selbstorganisation hat viele verschiedene Gesichter. Das bekannteste davon ist wohl Holacracy, wofür es bereits verschiedene Softwarelösungen gibt. Diese sind aber meist an das „Holacracy-Gesamtpacket“ gebunden. Wir konnten kein Produkt finden, welches uns erlaubte, einzelne Prozesse von Holacracy einzuführen und andere auszulassen. Was wir brauchten war ein Tool, das sowohl schlicht als auch modular war, und so mit unseren Bedürfnissen mitwachsen konnte.

Deshalb entschieden wir uns, selbst ein Produkt zu schaffen: Peerdom, eine Software zur Visualisierung von Organisationsstrukturen. Peerdom soll Organisationen in ihrer Entwicklung zu dezentralisierten, werteorientierten Kollektiven helfen. Die Software ermöglicht allen Mitarbeitenden eines Unternehmens, die Organisationsstruktur (egal ob hierarchisch, Matrix oder Peer-to-Peer) zu visualisieren und damit zu interagieren. Dadurch können sich Mitarbeitende konkreter mit den Aufgaben, die sie übernehmen, auseinandersetzen und Verantwortung dafür übernehmen. Mit der Eigenverantwortung steigen sowohl Engagement als auch Motivation, was wiederum zu glücklicheren Mitarbeitenden und besserer Leistung führt.

Peerdom, Marktbedarf und Weiterentwicklung

Peerdom war nicht nur ein wichtiger Faktor in unser eigenen Organisationsentwicklung. Es hat sich als ein Produkt herausgestellt, welches ganz dem Marktbedarf entsprach. Darum entschieden wir uns, Peerdom weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit einigen Organisationscoaches bauten wir Peerdom in ein Produkt aus, das Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation unterstützt. Daniel Sigrist, unser erster Coach, hat uns dabei geholfen, die zentrale Rolle des Mapping- und Visualisierungstool in der Organisationstransformation zu definieren.

Ein GIF zeigt wie in der Peerdom-App von einem Kreis rein- und rausgezoomt werden kann.

Einer der Vorzüge von Peerdom: Nutzer können sich aktiv mit ihren Rollen und deren ihrer Mitarbeiter*innen auseinandersetzen.

Die ersten Nutzer*innen von Peerdom waren Wohltätigkeitsorganisationen, Schulen und NGOs. Durch deren unentbehrliches Feedback konnten wir Peerdom stetig verbessern und den Bedürfnissen der Nutzer*innen anpassen. Zeitgleich halfen uns unabhängige Fördergelder eine solide Grundlage für Peerdom als Business zulegen.

Nach dieser intensiven Zeit der Entwicklung wird unsere Plattform heute von über 600 Peers in 40 Organisationen genutzt. Diese Zahl steigt stetig an: Aktuell sind wir in Verhandlung mit mehreren Unternehmen, welche rund 10‘000 Peers ausmachen. Auch unser Netzwerk an externen Berater*innen wächst. Wir haben zurzeit Coaches in 10 verschiedenen Ländern, welche Peerdom in sieben Sprachen repräsentieren.

Die Nothing-Rakete als Innovationslabor

Der Erfolg von Peerdom hat uns inspiriert, unseren Kurs zu re-evaluieren. Die Entwicklung ging weit über die simple Ausführung einer Idee hinaus. Sie hat uns herausgefordert, ein digitales Produkt vollumfänglich zu konzeptualisieren: Wir haben uns mit Marktrelevanz befasst, eine praktikable Businessstrategie formuliert und diese schliesslich implementiert. Sprich: Wir haben eine vage Idee zu einem markfertiges Produkt verarbeitet! Dabei haben wir nachhaltige Erfahrungen gesammelt und sind nun einen Schritt näher an unserem Ziel: Nothing soll als Innovationslabor zu einem Ort der Exploration, Improvisation und Realisation werden.

Möchtest du deinen Blick auf deine Organisation verändern? Schau dir Peerdom an.

Um mehr über unsere „Peer-to-Peer“-Organisation zu erfahren geht es in unserem Artikel über alternative Organisationsformen weiter.