Nahaufname: Eine Frau hält ein iPhone in der Hand. Sie liest auf swissinfo.ch einen automatisch übersetzten Kommentar.

Austausch trotz Sprachbarrieren: Mehrsprachige Kommentare für SWI swissinfo.ch

23.05.19

Können automatisch übersetzte Leser*innenkommentare den Austausch über Sprachgrenzen hinweg fördern? Wir prüften zusammen mit SWI swissinfo.ch die technische Machbarkeit und sozialen Implikationen dieser Idee.

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem explorativen Projekt untersuchten wir mit SWI swissinfo.ch, wie automatisch übersetzte Kommentare realisiert werden könnten.
  • Wir führten User Research durch und prüften die technische Machbarkeit der Idee im Kontext unserer Kundin.
  • Mit Prototyping und Testing konnte die Idee so risikoarm und kosteneffizient evaluiert werden.

Drei Smartphones auf denen der Reihe nach dargestellt ist, wie die automatisch übersetzten Kommentare angestellt oder abgestellt werden können.
Dank automatisch übersetzten Kommentaren können sich Personen trotz Sprachbarrieren miteinander austauschen.

Das Projekt

SWI swissinfo.ch ist der internationale Service der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR. Als solches bietet SWI in zehn Sprachen globale Nachrichten mit Fokus Schweiz und ermöglicht Auslandschweizer*innen, mit dem Geschehen in der Schweiz in Kontakt zu bleiben.

Zentral für den Austausch ist dabei die Kommentarfunktion. Allerdings sind Kommentare zurzeit an jeweils eine einzelne Sprache gebunden, sodass der Austausch immer nur zwischen Gleichsprachigen stattfindet, während SWI viele Artikel in mehreren Sprachen anbietet. In einem explorativen Projekt loteten wir zusammen mit SWI aus, wie Diskussionen über Sprachgrenzen hinweg ermöglicht werden könnten. Zusammen gingen wir der Frage nach, wie automatisch übersetzte Kommentare solch einen Austausch fördern könnten.

Die Herausforderung

Eine Kommentarfunktion, bei der mittels automatisierter Übersetzung zehn Sprachen berücksichtigt werden, ist ein komplexes Unterfangen. Es gilt, den technischen Kontext des Portals ebenso wie die Gewohnheiten, Bedürfnisse und Einstellungen der Leser*innen zu berücksichtigen.

Was geschieht zum Beispiel, wenn eine Person, die mehrsprachig ist, einen automatisch übersetzten Kommentar sieht, obschon sie die Sprache eigentlich versteht? Wie sollen wir mit der Skepsis gegenüber automatisierten Übersetzungen umgehen? Wie können wir mehrsprachige Kommentare so umsetzen, dass sie ihren ursprünglichen Sinn beibehalten und nicht plötzlich provozieren, sondern einen sinnvollen Austausch ermöglichen? 

Die Lösung

Mit Prototypen und fokussiertem Testing halfen wir SWI, den Problemkontext klar zu umreissen und zu sehen, wie automatisierte mehrsprachige Kommentare konkret umgesetzt werden könnten. Um die Einstellungen der Leser*innen zu verstehen werteten wir statistische Daten aus, definierten gemeinsam mit SWI Zielgruppen und führten mit eigenen Panels mehrere User Testings durch.

Mithilfe der Testing-Ergebnisse formulierten wir Empfehlungen für die Ausarbeitung der Kommentarfunktion. So zeigte sich zum Beispiel, dass es von Vorteil war, Kommentare aus anderen Sprachen standardmässig in ihrer übersetzten Form darzustellen. Dadurch ist es für die Nutzer*innen leichter, einen Überblick über alle Kommentare zu erhalten und auf Kommentare zu reagieren.

Nahaufname: Zwei Personen testen zusammen den Swissinfo Prototyp.
Mit User Testings evaluierten wir, inwiefern der Prototyp den Bedürfnissen der Leser*innen von SWI entsprach.

Auf technischer Seite erforschten wir, wie sich automatisierte Übersetzungen ins technische Setup von SWI integrieren lassen. Ausserdem gingen wir der Frage der Moderation nach. Zurzeit werden alle Kommentare innerhalb von 24–60 Stunden manuell geprüft, was für eine kleine Einheit wie SWI enorm viele Ressourcen bindet. Eine Entlastung in diesem Bereich wäre also äusserst wertvoll. Um die Verzögerung und den Zeitaufwand zu reduzieren, entwickelten wir einen Vorschlag, wie eine semi-automatisierte Moderation funktionieren könnte, bei der Kommentare automatisch auf Spam und Toxizität kontrolliert werden.

Erfolgreiche Exploration

Letzten Endes konnte SWI so die Idee erkunden und sowohl auf ihre technische Machbarkeit wie auch auf ihre sozialen Implikationen prüfen. Da es sich um ein Explorationsprojekt handelt, ist noch unklar, wann bzw. ob die Kommentarfunktion tatsächlich umgesetzt wird. Einmal mehr zeigt sich aber: Prototyping und Testing sind wertvoll, um eine Idee risikoarm und kosteneffizient auszuarbeiten und zu evaluieren.

Weitere Fragen zum Projekt oder generell unserem Angebot? Melde dich einfach bei Gloria-Mona Knospe (glow@nothing.ch).