Bild zeigt Lang, die verschiedene Inhaltsbausteine sortiert.

Zukunftsfreundlicher Inhalt: Karen McGranes "Content Strategy for Mobile"

08.10.13

Die stetige Zunahme an neuen Geräten zwingt uns, den Inhalt unserer Website neu zu betrachten. Karen McGranes Ansatz hierzu heisst „Adaptive Content“: Inhalt, der sich dem Gerät anpasst.

Guter Inhalt für eine gute User Experience

Um ein gute User Experience zu schaffen, ist guter Inhalt genauso wichtig wie brillantes Design. Mit gutem Inhalt sind nicht bloss wohlüberlegte Worte gemeint, es geht dabei insbesondere auch um die Struktur des Inhalts. Guter Inhalt ist so organisiert, sodass er flexibel eingesetzt werden kann, unabhängig von Plattform und Gerät: Die Rede ist von „Adaptive Content“ - Inhalt, der sich von selbst anpasst.

Karen McGrane erforscht in ihrem Buch Content Strategy for Mobile, wie der Einbezug mobiler Geräte den Inhalt einer Website verbessern kann. Karen zeigt, dass es spätestens seit dem Auftauchen mobiler Geräte unmöglich geworden ist, die altbewährten Methoden zur Inhaltserstellung weiter unbedacht anzuwenden, die primär auf die Desktopversion einer Website ausgerichtet sind. Angesichts der stetigen Zunahme an neuen Geräten können wir es uns nicht leisten, unseren Inhalt auf einzelne Geräte auszurichten. Wir müssen neue Strategien entwickeln, um Inhalt zu schaffen, auf den wir jedes Gerät zugreifen lassen können.

Kein Gerät-spezifischer Inhalt

Mobile Geräte verdeutlichen das Problem unseres momentanen Webinhaltes: Unser Desktop-konzipierter Inhalt lässt sich nicht einfach so in eine mobile Applikation oder Website einsetzen. Hierfür braucht es eine Strategie: Eine sogenannte „Content Strategy“. Nun, Karen klärt sogleich zu Beginn, dass es keine Content Strategy für mobile Geräte gibt. Zum Glück meint sie damit jedoch nur, dass sich unsere Content Strategy nicht nur mobilen Kontext beschäftigen soll. Dieser soll bloss als Katalysator fungieren, um schlussendlich Gerät-unabhängigen Inhalt zu generieren.

Auch verlangen mobile Geräte keinen speziell bedachten Schreibstil. Sehen Sie einen endlos langen Abschnitt, der mehrere Ideen zu abhandelt, auf dem kleinen Bildschirm eines Smartphones, so mag dies abschreckend erscheinen. Vielleicht sind sie gewillt, den gleichen Abschnitt auf einem grösseren Bildschirm zumindest querzulesen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Leseerlebnis für beide Geräte verbessert würde, wenn die gesamte Passage in kleinere Abschnitte unterteilt würde, die jeweils nur eine Idee behandelten - solch ein Text ist nicht speziell für mobile Geräte geschrieben worden, sondern schlichtweg ein gut geschriebener Text.

Gleichberechtigung: auf jedem Gerät der gleiche Inhalt

Wenn wir unseren Inhalt Gerät- und Plattform-unabhängig gestalten, so impliziert dies auch, dass nicht verschiedene Versionen des Inhalts spezifisch für bestimmte Geräte erstellt werden. Im Gegenteil: Grundsätzlich sollte der angebotene Inhalt - egal, womit darauf zugegriffen wird - stets derselbe sein. Dies heisst nicht, dass er zwingend gleich priorisiert und präsentiert werden muss, doch zumindest sollte alles irgendwo verfügbar sein. So wird nicht nur verhindert, dass Benutzer, die nur mit einem Gerät zugreifen können, benachteiligt werden, es ist auch sichergestellt, dass Benutzer, die zwischen verschiedenen Geräten wechseln, nicht plötzlich Altbekanntes vermissen.

Wenn unser Inhalt auf all den heute verfügbaren Geräten und Plattformen leben soll, so können wir unmöglich zig angepasste Inhaltversionen erschaffen und publizieren. Stattdessen brauchen wir intelligenten Inhalt, der so verfasst wird, dass er überall eingesetzt werden kann: Adaptive Content.

Adaptive Content: Bausteine und Metadaten

Inhalt, der in verschiedenen Situationen zum Einsatz kommt, muss sorgfältig organisiert und strukturiert sein. Umfangreiche Artikel, bestehend aus Titel, Teaser, Zusammenfassung und mehr, müssen in entsprechende „Bausteine“ unterteilt werden. Mit Metadaten werden diese einzelnen Elemente kategorisiert und definiert, die schliesslich von Plattform oder Gerät angefordert und automatisch angeordnet werden können. Wie Karen im Vortrag Adapting Ourselves to Adaptive Content erklärte: Anstatt die Anordnung des Artikels in Handarbeit zusammenzustellen, versehen wir unsere Artikel-Bausteine mit den richtigen Labels. So kann der Zusammenbau der Teile gänzlich automatisch ablaufen. Die Metadaten sorgen nicht nur dafür, dass der Artikel in unserem Sinne dargestellt wird, sondern garantieren auch, dass die Darstellung dem Kontext, der Plattform oder dem Gerät, entspricht.

Wenn wir diese verschiedenen Bausteine eines Inhaltspackets erstellen, so müssen wir uns stets des Zwecks - oder gegebenenfalls der Zwecke - jedes Bausteines bewusst sein. Untertitel beispielsweise könnten in einer mobilen Version zu Anchor-Links umfunktioniert werden, der Titel als alleinstehender Link platziert sein, der Einführungsparagraph als Teaser verwendet werden. Idealerweise sollte jeder Bausstein als Einzelobjekt funktionieren können, ohne dass eine Verbindung zum Gesamtpaket nötig ist.

Des Weiteren müssen wir aufhören, Bedeutung im Text über dessen visuelle Präsentation zu kommunizieren. Anstatt Hervorhebung und Betonung mit Formatierungen und Styling zu verdeutlichen, müssen wir diese Attribute über Metadaten kommunizieren. Die Loskopplung von der visuellen Präsentation impliziert auch, dass wir den Gebrauch des Vorschau-Buttons überdenken müssen. Der klassische Vorschau-Button zeigt einen einzigen Kontext: Desktop. Wenn wir unseren Inhalt aber nun auf einer Vielfalt von Kanälen publizieren, so liegt im Wissen über die Desktop-Ansicht des Artikels nur ein bedingter Nutzen. Eine neue Lösung könnte sein, dass die Vorschau mehrere prototypische Kontexte wie Desktop, Mobile und Tablet aufzeigt - klar ist auf jeden Fall, dass die Basisversion des Inhalts von der Präsentation losgekoppelt sein sollte.

Ein CMS, das guten Inhalt ermöglicht

Adaptive Content kann nur funktionieren, wenn das dahinterstehende Content Management System diese Art der Inhaltserstellung auch unterstützt. Das CMS muss fähig sein, die Inhaltsbaustein mit den dazugehörigen Metadaten an die verschiedenen Plattformen und Geräte weiterzugeben. Nebst diesen technischen Bedingungen muss das CMS aber auch eine gute User Experience bieten: Es einfach sein, die richtigen Inhaltsbausteine zu erstellen, und der Verfasser sollte klar nachvollziehen können, welche Metadaten er erfassen muss. Ein CMS, das Adaptive Content unterstützt, muss sowohl die technischen Bedingungen wie auch die Bedürfnisse des Benutzers erfüllen.

Zukunftsfreundlicher Inhalt

Karen zeigt, dass der Einbezug mobiler Geräte als guter Startpunkt dienen kann, um Probleme in der Inhaltserstellung zu identifizieren und zu beheben. Adaptive Content spielt dabei eine zentrale Rolle, denn dadurch können wir nicht nur besseren, sondern auch zukunftsfreundlicheren Inhalt schaffen. Es werden ständig neue Geräte veröffentlicht, und bald wird es schier unmöglich sein, genau zu wissen wie unser Inhalt auf diesen verschiedenen Bildschirmen aussieht. Wenn wir aber dank Adaptive Content ein gutes Grundgerüst aufbauen, so kennen wir zwar nicht das exakte Endresultat, können aber ruhigen Gewissens sagen, dass das zugreifende Gerät die richtigen Bausteine zusammensuchen und dem jeweiligen Kontext entsprechend richtig zusammenfügen wird.