Eine Nahaufnahme, die zeigt, wie jemand aud einen Papier-Prototyp schreibt. Symbolisch zeigt das Bild, dass Text und UX Writing teil des Design-Prozesses sind.

UX Writing – 5 Wege, wie Text dein Produkt noch besser machen kann

05.10.20

Beim Wort „Design“ denken wir oft als Erstes an visuelles Design. Die Texte, die in einem Produkt vorkommen, sind aber ebenso Teil des Designs – und auch ebenso wichtig.

Text ist Design

Hast du dir schon einmal überlegt, wie eine App oder Website, die du täglich brauchst, ohne Text aussehen würde? So würde es zum Beispiel aussehen, wenn du dich in deinen Outlook-Account einloggen möchtest.

Ohne Text ist das Outlook-Login nur ein kontextloses Input-Feld. Es ist dabei unklar, was man tun soll.
Outlook-Login ohne Text.

Das sieht ziemlich leer aus. Tatsächlich ist es ohne Text schwer zu wissen, was man hier tun sollte. Was fehlt, ist UX Writing: die kleinen, aber wichtigen Texte, die Teil des Designs sind und uns helfen, uns zurechtzufinden. Ohne diese Texte funktioniert das Design nicht mehr. Es lohnt sich also, diesen Texten bereits in der Design- und Entwicklungsphase genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie beispielsweise visuellem Design.

Eine tolle Einführung ins Thema UX Writing ist Torrey Podmarjerskys Buch „Strategic Writing for UX“. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Deswegen – und weil es noch kaum deutsche Literatur zum Thema UX Writing gibt – habe ich einige der Punkte, die Torrey anspricht, zusammengefasst. Hier sind fünf Wege, wie du dein Produkt durch UX Writing (noch) besser machen kannst.

Eine tolle Einführung ins Thema UX Writing ist Torrey Podmarjerskys Buch „Strategic Writing for UX. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Deswegen – und weil es noch kaum deutsche Literatur zum Thema UX Writing gibt – habe ich einige der Punkte, die Torrey anspricht, zusammengefasst. Hier sind fünf Wege, wie du dein Produkt durch UX Writing (noch) besser machen kannst.

1. Zugängliche Texte

Mag einfach klingen, ist aber ein absolutes Muss: Die Texte in deinem Produkt müssen zugänglich sein. Wenn die Menschen, die dein Produkt nutzen wollen, den Text nicht lesen oder nicht verstehen können, dann versagt das Produkt. Achte auf diese drei Punkte:

  • Jeder Text muss in allen Sprachen, die dein Produkt anbietet, verfügbar sein
  • Texte sollten leicht zu lesen sein, was du mit einem Lesbarkeitsindex wie der Flesch-Formel überprüfen kannst
  • Jedes Element muss sinnvollen Alternativtext haben (dazu gehören zum Beispiel Eingabefelder, Icons und Buttons)

2. Zielführende Texte

Zielführend heisst, dass deine Texte Nutzer*innen ermöglichen, das zu tun, wofür dein Produkt gedacht ist und zwar so, dass dies auch deinem Unternehmen dient. Es gibt eine einfache Frage, mit der du überprüfen kannst, ob deine Inhalte zielführend sind:

Können [unsere Nutzer*innen] [ihre Aufgabe] erfüllen, und führt das zu [den Zielen unseres Unternehmens]?

Nehmen wir Booking.com als Beispiel. Jemand könnte auf die Website kommen, um ein günstiges Hotel zu finden. Das ist die Aufgabe, die diese Nutzerin zu erfüllen versucht. Das Ziel von Booking.com geht aber über diese Aufgabe hinaus: Das Unternehmen will vermutlich nicht nur, dass diese Person ein günstiges Hotel findet, sondern, dass sie es anschliessend auch via Booking.com bucht (anstatt zum Beispiel auf die Website des Hotels zu wechseln und dort zu buchen). Zielführende Texte sollten also diese beiden Ziele zusammen unterstützen.

3. Kurze und bündige Texte

Es sollte in deinem Produkt genau so viel Text haben, dass Nutzer*innen ihre Aufgabe effizient und zufriedenstellend erfüllen können. Nicht mehr und nicht weniger. Konkret bedeutet das Folgendes:

  • Der Text, der an einer gewissen Stelle im Produkt steht, sollte für die Nutzer*innen zu genau diesem Zeitpunkt relevant sein
  • Für die Länge des Texts gilt als Faustregel:
    • max. 50 Zeichen pro Zeile
    • max. 4 Zeilen pro Absatz
    • max. 3 Wörter pro Button

Dieser zweite Punkt mag extrem klingen. Kürzere Texte sind aber besser, da sie einfacher überflogen werden können, wie Torrey Podmajersky erklärt. Meine eigenen Beobachtungen bei Usability-Tests bestätigen, dass Menschen dazu neigen, längere Texte als komplexer wahrzunehmen, selbst wenn sie gar nicht komplexer sind.

4. Gesprächsorientierte Texte

Gesprächsorientiert heisst nicht, dass du überall „Du“ schreiben musst oder einen möglichst informellen Ton anschlagen sollst. Vielmehr geht es hier darum, dass Texte für Nutzer*innen einfach zu verstehen sein sollen – so einfach, wie ein Gespräch mit einem anderen Menschen. Achte dazu auf Folgendes:

  • Verwende Begriffe, die deinen Nutzer*innen vertraut sind
  • Schau, dass der Inhalt eine klare Reihenfolge hat, sprich, dass Anweisungen und Anleitungen Schritt für Schritt nachvollziehbar dargestellt sind

5. Klare Texte

Die Texte sollten selbsterklärend sein, sodass Nutzer*innen stets klar ist, wo sie sind und was sie tun können. Im Zweifelsfall sollte Hilfe verfügbar sein. Konkret bedeutet das:

  • Anweisungen und Call-to-Actions sind unmissverständlich formuliert, sodass Nutzer*innen antizipieren können, was passieren wird, bevor sie irgendwo klicken
  • Fehlermeldungen sind verständlich und hilfreich geschrieben: erkläre, was passiert ist und wie Nutzer*innen nun weiter vorgehen können
  • Zusätzliche Hilfe ist leicht zu finden, sprich, Anleitungen, Tutorials oder z.B. Kontaktdaten des Kundendiensts sind ohne Umwege abrufbar

Mit UX Writing zu besseren Texten und einem besseren Produkt

Ist UX Writing wirklich so wichtig? Ja. Ob Website oder App, Menschen benutzen ein Produkt nicht, um die Interface-Texte darin zu lesen. Sie benutzen es, um etwas zu tun: ein Hotel zu buchen, eine Zahlung durchzuführen oder sonst eine Aufgabe zu erledigen. Alle Texte sollten so verfasst sein, dass sie diese Aufgabe unterstützen – und genau darum ist UX Writing so wichtig.

Falls du mehr zum Thema UX Writing wissen willst: Ich bin Co-Organisatorin des Meetups „UX Writing und Content Design (Bern & Zürich)“. Komm an unseren nächsten Event, um spontan Ideen auszutauschen. Und natürlich sind wir von Nothing gerne bereit, dich bei deinen Texten zu unterstützen. Wenn du Fragen, Ideen oder gar eine konkrete UX-Writing-Herausforderung hast, melde dich bei mir (lang@nothing.ch) – ich würde mich freuen, darüber zu reden, wie Text und Inhalt dein Produkt besser machen können.