Unsere Crew sitzt gemeinsam in einem Raum und hält ein Netz aus Schnüren, das unser Peer-to-Peer Organisationsmodell symbolisiert.

Als Gemeinschaft arbeiten

06.08.18

Was geschieht, wenn dezentralisierte Verantwortung auf aufstrebende Autonomie trifft? Wir schauen auf das erste Jahr unserer Transformation in eine “Peer-to-Peer”-Organisation zurück.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durch unsere Peer-to-Peer Organisation konnten wir Eigenverantwortung stärken und unsere Crew wachsen lassen.
  • Sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Rakete entstand eine grosse Begeisterung und ansteckende Leidenschaft für unsere gemeinschaftliche Zusammenarbeit.
  • Der flexible und evolutionäre Hintergedanke der P2P Organisation erlaubt schnelle Anpassungen und fördert Experimentierfreude.

Entwicklung zur „Peer-to-Peer“-Organisation

Vor etwas mehr als einem Jahr brachten wir unsere Rakete auf einen neuen Kurs. Unsere Reise führte uns aus den Untiefen des industriellen Zeitalters mit seinen starren Hierarchien zu einer partizipativen und sich ständig entwickelnden Form der Zusammenarbeit. Wir wollten uns als echte Gemeinschaft von „Peers“ definieren, um eine bedeutsamere und anpassungsfähigere Organisation zu schaffen, wo Ideen gedeihen können. Den Startschuss dieses Abenteuers feierten wir am 20. April 2017, als wir offiziell unsere „Peer-to-Peer“-Verfassung unterzeichneten. Aber was ist seither passiert?

Bei Nothing nehmen alle als Peer in einem System von autonomen Rollen teil. Hier gibt es keine Hierarchien zwischen Menschen. Stattdessen ist unsere Arbeit durch Zwecke strukturiert, die das Ziel jeder einzelnen Rolle beschreiben. Und egal, ob du die Rolle „Designer“, „Communication steward“ oder „Care taker“ übernimmst, wir streben alle nach dem übergeordneten Ziel unseres Unternehmens: Produkte mit Bedeutung zu schaffen.

Die Macht von Tatkraft

Eine der bedeutendsten Veränderungen war, dass wir Eigenverantwortung stärker betonen. Iadu hat uns einmal mit einer Band verglichen, in der alle ein anderes Instrument meistern und damit zur Musik beitragen. Damit änderte sich auch die Art, wie wir unsere Arbeit und Organisation erleben. „Wo ich vorher gearbeitet habe, war ich bloss eine Nummer in einem Unternehmen“, erklärt Meta, der zu Beginn unserer Reorganisation an Bord kam. „Jetzt kann ich die Organisation beeinflussen.“

Dabei haben wir gelernt, dass Eigeninitiative ein entscheidender Teil einer erfolgreichen P2P-Organisation ist. Wer etwas Neues ausprobieren möchte, kann nach Beantwortung von allfälligen Fragen zum Vorschlag und einer Klärung möglicher Einwände sofort loszulegen. So sind wir bereit, neue Wege zu gehen, solange sie uns nicht schaden. „Es gab eine Menge schneller Veränderungen und es war okay, falsch zu liegen“, erinnert sich Ada. Oder wie Pace es ausdrückt: „Versuchen wir es einfach und schauen mal, ob es funktioniert. Wir können es ja jederzeit wieder ändern.“

Diese Flexibilität und fliessende Evolution ermöglichte uns, Hindernisse zu umschiffen und unvorhergesehene Möglichkeiten zu erkunden. So ermächtigen wir uns, die Art von Arbeit zu tun, für die wir brennen. Auch konnten wir die Vorteile der Dezentralisierung hautnah erleben: Alle bei Nothing bringen ein eigenes Netzwerk und eigene Ideen an den Tisch. Als Resultat ist unsere Rakete stetig gewachsen.

Begeisterte Gleichgesinnte

Kaum hatten wir uns von den starren Strukturen der Hierarchie befreit, sahen wir uns mit einem Meer von Möglichkeiten konfrontiert. Zuweilen fühlte sich das überwältigend an. Denn es war leicht, sich in all dem zu verlieren, was wir tun wollten und konnten. Hier halfen Werkzeuge wie unsere Verfassung und unsere strukturierten Governance-Meetings, Ordnung zu schaffen, bevor sich Chaos ausbreitete. In diesen Meetings können wir uns kurzschliessen, wahrgenommene Spannungen auflösen und Vorschläge diskutieren.

Schon bald manifestierte sich eine ansteckende Leidenschaft für das P2P-Konzept. Min arbeitet zum Beispiel erst seit ein paar Monaten mit uns und sprudelt bereits jetzt vor lauter Begeisterung. „Ich mag es wirklich, dass meine Arbeit einen Sinn hat. Wenn ich morgens aufstehe, weiss ich, warum ich zur Arbeit gehe – und es ist nicht einfach wegen dem Lohn.“ Ihre Begeisterung hallt auch bei Vibes wider, der sich vor der Reorganisation etwas verloren fühlte. „Ich habe mich gefragt, was ich wirklich in der Rakete tun wollte und wie ich mich weiterentwickeln konnte.“ Diese Selbstreflektion – gepaart mit der autonomen Evolution unserer Organisation – hat ihm neue Wege aufgezeigt, sich persönlich und mit dem Rest zu entwickeln.

Unsere Begeisterung und unser Enthusiasmus strahlen mühelos über die Rakete hinaus. Viele Freund*innen und Bekannte identifizieren sich schnell mit der Idee, ihre Arbeit in etwas zu verwandeln, das sie tatsächlich erfüllt. Andere können spüren, dass wir Teil von etwas sind, das uns begeistert.

Keine Evolution ohne Hindernisse

Wo Licht scheint, fallen auch Schatten. Im Laufe des letzten Jahres mussten auch wir unsere Portion Hürden überwinden. So gehört es zum Wesen einer dezentralisierten Organisation, dass alle Rollen, Rechte und Verantwortungen explizit gemacht werden. Dazu gehört eine ordentliche Portion Selbstreflexion. Nicht umsonst meint Pace darum: „Manchmal muss man wissen, wann man mit dem Analysieren aufhören muss.“

Ganz ähnlich denkt Vibes: „Einige unserer Meetings fühlen sich fast absurd an. Da frage ich mich jeweils, wo wir an unserem Protokoll festhalten müssen und wo wir selbstständig abweichen können.“ Das Gute an unserem System ist, dass wir immer bereit sind, uns anzupassen. Alles ist in ständigem Fluss und wandelt sich schnell. Auf diese Weise schaffen wir es, Spannungen aufzuspüren und zu verarbeiten sowie unseren bisherigen Fallstricken auszuweichen.

Destination: Wohlbefinden

In seinem Buch „Reinventing Organizaions“ zitiert Frédéric Laloux Charlie Chaplins berühmte Rede aus Der grosse Diktator: „Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte.“ Wir streben dieses Ziel an, indem wir die Rakete zu einem Ort machen, wo alle so sein können, wie sie wirklich sind. Hier gibt es keinen Grund, das „professionelle Gesicht“ zur Arbeit aufzusetzen.

Wir glauben, dass uns dies geholfen hat, Arbeit in mehr als „bloss Arbeit“ zu transformieren. Wir sind offener miteinander und erleben unsere Organisation als auf einer persönlichen Ebene zutiefst bereichernd. Wir geniessen mehr Freiheit und Autonomie und haben darum die Macht, unsere Rakete mitzugestalten und den Kurs mitzubestimmen. Denn wer sich für die Organisation begeistert, wird sich für den Zweck des Unternehmens einsetzen und das wird sich auszahlen. Für dich selbst, für die anderen in der Rakete und für alle, denen wir auf dieser Reise begegnen.

Neue Galaxien erkunden

Die nächste Phase dieses Abenteuers ist unser Projekt „Peerdom“. Darin entwickeln wir ein Ökosystem von digitalen Werkzeugen, das andere Organisationen darin unterstützt, sich zu einer dezentralisierten, wertebasierten Gemeinschaft von Peers zu entwickeln. Wir freuen uns darauf, anderen zu helfen, die einen Schritt in die unbekannte aber leuchtende Zukunft von Organisationen wagen möchten!