Four people holding post-its and discussing in front of a whiteboard.

Design Thinking ohne Buzzwords

30.01.20

Design Thinking ist ein Begriff, der immer wieder Verwirrung verursacht, wenn wir unsere Arbeitsprozesse beschreiben. Wir erklären, wo Design Thinking herkommt, was es ist – und was es nicht ist.

Sinn und Unsinn von Design-Thinking-Bootcamps

Design Thinking war im letzten Jahr ein viel diskutiertes Thema. Design Thinking ist gefragt und immer mehr Institutionen bieten Workshops und Bootcamps dazu an. Solche Camps sollen hier nicht kritisiert werden. Es soll jedoch mit falschen Erwartungen aufgeräumt werden. Design Thinking ist kein Punkt auf einer To-Do Liste, der mit einem Workshop abgehakt werden kann.

Hinzu kommt, dass der Begriff Design Thinking immer wieder auf verschiedenste Art und Weise verwendet wird. Gerade diese Ungenauigkeit wird in Designkreisen heftig kritisiert. Design Thinking ist zu einem Buzzword geworden! Zeit, Design Thinking und dessen Methoden zu erklären.

Woher kommt Design Thinking und was beinhaltet es denn genau?

Die Methoden des Design Thinkings wurden erstmals in den 1970er Jahren vom Psychologen Herbert Simon erwähnt. Dieser führte die zentralen Elemente dessen ein, was als Design Thinking bezeichnet wird (unter anderem «rapid prototyping» und «testing through observation»). Der Begriff selbst stammt von Peter Rowe, der 1987 ein Buch mit demselben Titel veröffentlichte. Design Thinking wurde ursprünglich im Bereich des Industriedesigns entwickelt. Die Verwendung hat sich dann im Laufe der Jahre auf andere Disziplinen ausgebreitet.

Design Thinking wird typischerweise in fünf Schritten beschrieben:

  1. Empathie: Bedürfnisse von Nutzer*innen empathisch verstehen
  2. Definition: Definieren, wer und was im Fokus steht
  3. Ideenfindung: Brainstormen von potenziellen Lösungen
  4. Prototyping: Erstellen eines Prototyps
  5. Testen: Testen der Parameter und des Prototyps

Was wie eine simple und lineare Abfolge von Schritten erscheint, ist in Realität ein chaotischer Prozess. Es kann gut sein, dass wiederholt Parameter definiert werden müssen oder dass Feedback während der Testphase zu einem komplett neuen Prototyp führt, der dann erneut getestet werden muss. Während diesem iterativen Prozess stehen die Bedürfnisse der Nutzer*innen im Vordergrund, auf die jeder Prototyp abzielt.

«Human-centered» – Ein Ansatz für jede Disziplin

Keiner dieser fünf Schritte basiert explizit auf Design. Stattdessen kombinieren sie Techniken aus der Ethnographie, einfaches Brainstorming und konstante Iteration. Dies sind Techniken, welche Designer*innen schon seit Jahrzenten anwenden. Doch nur weil die Methode ihren Ursprung in der Arbeit von Designer*innen hat, heisst das nicht, dass sie nicht auch in anderen Disziplinen angewendet werden kann. Anish Joshi fasst entsprechend zusammen, dass Design Thinking einfach ein «menschenbezogener Ansatz der Problemlösung» sei.

Dieser Ansatz kann von Leuten in den verschiedensten Disziplinen erlernt und angewendet werden. Die Abbildung von Karel Vredenburg hilft, zu zeigen, wie Design Thinking als übergeordnete Methode in allen Feldern (sei dies Design, Business oder Engineering) angewendet werden kann. Der Unterschied zwischen Design Thinking und der Disziplin Design ist simpel: Design Thinking ist kein Arbeitsfeld, sondern die Anwendung von ethnographischen und kreativen Methoden in der Problemlösung.

Ein Diagramm, das die Form eines Ts hat. Dabei ist Design Thinking der horizontale Balken und Busines, Design and Engineering der vertikale Balken.
Design Thinking ist die übergeordnete Methode für alle Unterdisziplinen. Abbildung von Karel Vredenburg.

Man hat nie ausgelernt: Design Thinking als konstanter Lernprozess

Design Thinking verwendet Methoden aus verschiedensten Feldern und kann in etlichen Disziplinen angewandt werden. Gerade deswegen ist es schlicht unmöglich, Design Thinking nach einem Workshop zu meistern. Design-Thinking-Prozesse sind viel komplexer, als dies ein einfacher Workshop fassen könnte.

Durch ein Design-Thinking-Bootcamp hat man Design Thinking also noch lange nicht gemeistert, aber man findet den Einstieg in die Methoden. Design Thinking ist ein konstanter Lernprozess. Dieser verlangt, persönliche Haltungen zu verändern, verschiedene Perspektiven anzunehmen und immer wieder Neues zu lernen.

Wir bieten zwar keine Design-Thinking-Bootcamps an, helfen dir aber gerne, Design-Thinking-Methoden in deinem Projekt anzuwenden. Interessiert? Schreib eine Mail an viz@nothing.ch!