Der Crew von Nothing Interactive liegt Barrierefreiheit am Herzen.

Barrierefreies Design: Probleme und Chancen

31.05.18

Wie beeinflusst schlechtes Design den Alltag von Menschen mit Behinderungen? Beobachtungen zu Problemen und Chancen von Accessibility und barrierefreiem Design.

Technologie und Unabhängigkeit

Websites, Apps und andere digitale Anwendungen spielen im Leben von Menschen mit Behinderungen eine grosse Rolle. Oft bieten sie Möglichkeiten, autonom zu sein. Durch technologische Fortschritte ist vieles zugänglicher geworden: zum Beispiel Dienstleistungen im Bildungsbereich, eServices, oder auch Kommunikation im Allgemeinen.

Aber leider werden beim Design von Websites und Apps Menschen mit Behinderungen häufig nicht gross bedacht. Das Resultat ist deshalb nur mühsam oder gar nicht bedienbar. Schlechtes Design kann Alltägliches wie Online-Shopping, einen Fahrplan durchsuchen oder ein Kochrezept lesen für alle erschweren. Doch was für die einen frustrierend ist, kann andere komplett ausgrenzen.

Die Situation in der Schweiz

Mehr als 10% der Schweizer Bevölkerung lebt mit einer Behinderung. Das sind laut Bundesamt für Statistik rund 1’500’000 Menschen. Websites des Bundes und bundesnaher Dienste, wie zum Beispiel der SBB, sind gesetzlich dazu verpflichtet, zu einem bestimmten Grad barrierefrei zu sein. Laut einer Studie der Stiftung „Zugang für Alle“ gehören diese Websites denn auch zu den zugänglichsten Angeboten.

Es gibt jedoch ein Problem: Niemand stellt sicher, dass diese Gesetze eingehalten werden. In der Privatwirtschaft, wo keine gesetzlichen Regelungen gelten, ist die Situation noch bedenklicher. Barrierefreiheit, englisch „Accessibility“, ist hier freiwillig. „Zugang für Alle“ veranschaulicht die Probleme am Beispiel von Nachrichten-Websites – diese waren zum Zeitpunkt der Studie am wenigsten barrierefrei. Ähnlich problematisch sieht es bei Online-Shopping-Portalen aus.

Alle profitieren davon

Dabei bringt barrierefreies Design mehr als „nur“ Chancengleichheit. Auch Nutzerinnen und Nutzer ohne Behinderungen profitieren davon: Eine zugänglich Website bietet für alle ein besseres Nutzungserlebnis.

  • Ausreichender Farbkontrast hilft allen, die bei direkter Sonneneinstrahlung auf einem Bildschirm lesen
  • Untertitel machen es möglich, Videoinhalte trotz Umgebungslärm zu verstehen
  • Bessere Tastaturnavigation dient Power-Usern zur Effizienzsteigerung
  • Klare Navigation und solide Struktur helfen allen, sich besser zu orientieren

Barrierefreiheit in einem Projekt bringt Kosten mit sich. Diese sind allerdings immer höher, wenn die Barrierefreiheit erst gegen Ende eines Projektes ins Auge gefasst wird. Wenn wir Projekte von Anfang an barrierefrei ausrichten, können wir zu geringeren Kosten mehr erreichen. Investitionen zu Projektbeginn zahlen sich langfristig aus!

Daniele Corciulo, Berater bei der Stiftung „Zugang für alle“, betont, wie wichtig es ist, Rückmeldungen von Menschen mit Behinderungen in den laufenden Prozess einfliessen zu lassen und kontinuierlich umzusetzen. Barrierefreiheit sollte nicht am Ende ergänzt werden, sondern integraler Bestandteil von Design und Entwicklung sein.

Einfach beginnen

Es muss nicht schwer sein, Barrierefreiheit in die eigene Arbeit einzubringen. Zwei einfache Möglichkeiten, die grundsätzlich jeder Person offen stehen:

  • Teste die Website nur mit Hilfe deiner Tastatur. Alle interaktiven Elemente sollten auch ohne Cursor erreichbar und manipulierbar sein. Ausserdem sollte man jederzeit sehen können, welches Element gerade den Tastaturfokus hat.
  • Verwende bereits in der frühen Designphase ein Farbkontrast-Analysetool. Mit Colour Contrast Check kann beispielsweise geprüft werden, ob das Design einen ausreichenden Farbkontrast aufweist.

Es gibt viele weitere hilfreichen Ressourcen: Das Britische Home Office bietet zum Beispiel sechs schlichte Poster, die in Form von „Do’s und Dont’s“ einfache Tipps zum Thema Barrierefreiheit geben. Machen wir Barrierefreiheit Teil unserer Arbeit!