Bild zeigt viele verschiedene Roboter, die gemeinsam eine Tastatur benutzen.

Accessibility: Was, wie und warum am eAccessibility Forum 2016

04.08.16

Accessibility ist keine neues Thema – es gibt aber immer wieder neue Themen und Technologien, die verändern, was Accessibility bedeutet.

Zugang für alle

Accessibility (Barrierefreiheit) bedeutet, dass eine Website oder ein Web-Angebot für alle, unabhängig von ihren Einschränkungen, zugänglich ist. Obschon der Fokus oft auf Menschen mit Beeinträchtigung oder Behinderung liegt, geht es nicht darum, gewisse Gruppen hervorzuheben. Grundsätzlich geht es um Gleichberechtigung.

Das Swiss eAccessibility Forum bietet ein Netzwerk für Unternehmen, Forschende, Betroffene und Organisationen, um Accessibility zu fördern und weiterzuentwickeln. Am 1. Juni fand die diesjährige Tagung mit interessanten Beiträgen zur Accessibility digitaler Produkte statt. Nicht zuletzt entstehen durch barrierefreies Design nämlich oft interessante, innovative Lösungen.

Beratung und Aufklärung zu Accessibility

Jeder technische Fortschritt hat einen Einfluss auf das Leben sehbehinderter Menschen. Es können Barrieren abgebaut werden, es können aber auch neue entstehen. Die Fachstelle Technologie und Innovation des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (SBV) befasst sich sowohl mit den positiven wie auch den negativen Entwicklungen. Luciano Butera bot uns einen Einblick in die Tätigkeit der Fachstelle.

Die Fachstelle Technologie und Innovation des SBV entwickelt Tools für sehbehinderte Menschen wie beispielsweise die GPS-App MyWay. Weiter bietet die Fachstelle Beratungen an – sowohl für Sehbehinderte als auch für Menschen, die mehr zum Thema Accessibility für Sehbehinderte lernen wollen. Ebenfalls interessant: die Community-Plattform Open-Hub zur Förderung von digitalen Produkten für blinde und sehbehinderte Menschen, wobei Wissen in der Community generiert und verbreitet wird.

Ein Beispiel: barrierefreie PDFs

Damit ein PDF-Dokument von einem Screenreader sinnvoll wiedergegeben werden kann, muss es mit gewissen Metadaten versehen sein. Severin Mündinger stellte uns PAVE vor. PAVE (PDF Accessibility Validation Engine) ist ein webbasiertes Tool, mit dem PDFs barrierefrei gemacht werden können. Automatisch durchführbare Verbesserungen werden direkt vorgenommen, weitere Korrekturen angezeigt.

PAVE ist ein Projekt des ICT-Accessibility Labs der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) entwickelt. Ein weiteres interessantes Projekt des ICT-Accessibility Labs ist die AgeWeb-Plattform, die Informationen zum Thema altersgerechte Websitegestaltung liefert.

Weitere Gebiete: Inklusivität, Gebärdensprache und grossflächige Accessibility

  • Stefanie Nennstiel erzählte von einer Initiative der SAP, Menschen aus dem Autismus-Spektrum einzustellen. Sie gab einen interessanten Abriss des Projektes, das sich bei der SAP mittlerweile vom Experiment zur globalen Strategie entwickelt hat.

  • Sarah Ebling, Andri Reichenbacher und Katja Tissi sprachen über Gebärdensprache, und wie diese (ansatzweise) automatisch verarbeitet werden kann. Es ist ein Thema, dessen Komplexität man erst so richtig begreift, wenn man sich bewusst macht, dass Gebärdensprachen (es gibt über 100) vollständige natürliche Sprachen sind – mit Grammatik, Vokabular und allen weiteren (Un-)Regelmässigkeiten.

  • Alireza Darvishy beendete das Forum mit einem – aus Zeitgründen leider gekürzten – Beitrag zu Accessibility-Tools im Bereich Web und Mobile. Dabei stellte er das Beispiel SSB BART vor, ein Unternehmen, das Accessibility-Lösungen für Grossunternehmen bietet.

Accessibility: immer wieder Neues

Accessibility ist kein neues Thema – es gibt aber immer wieder neue Entwicklungen und Technologien, die verändern, was Accessibility bedeutet. Es ist ein reges Gebiet, das interessante Herausforderungen und Möglichkeiten bietet.

Die Fortschritte im Bereich Accessibility sind sehr stark von der Community abhängig. An den meisten grösseren Projekten arbeiten Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten direkt mit. In Fällen, in denen dies nicht möglich ist, ist zumindest der Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigung oder Behinderung unabdingbar.

Weiterführende Informationen:

  • Die Stiftung Zugang für alle führt Studien zur Accessibility bedeutender Schweizer Websites durch.
  • Die SBB Bart Group bietet Enterprise-Lösungen zu Accessibility.
  • Das ICT-Accessibility Lab der ZHAW erforscht und entwickelt Informations- und Kommunikationstechnologien für ältere Menschen und für Menschen mit Behinderungen
  • Die Open-Hub-Plattform des SBV ist ein interessanter Knotenpunkt für Blinde, Sehbehinderte, Organisationen und Interessierte.
  • An der UX Lausanne 2015 brachten Sarah Horton und David Sloan einen guten Einstieg und nützliche Tipps zum Thema Accessibility.